ExpertTalk - Mit langjähriger Erfahrung sauber bis ins Detail

In unserer Interviewreihe "ExpertTalk" stellen jeweils die Kollegen des Fraunhofer-Geschäftsbereiches Reinigung eine innovative Technologie im Bereich Reinigung näher vor – welche Möglichkeiten und Grenzen die Technologie hat und wo sie zum Einsatz kommt. Für diese Ausgabe haben wir Helge Thomsen und Daniel Templin vom Fraunhofer IST interviewt. Sie berichten, wie das IST mit großtechnischer Bauteilreinigung auf wässriger Basis präzise reinigt. Alle Details, Schwerpunkte und Zukunftspläne lesen in unserem ExpertTalk. 

1.    Welche spezifische Reinigungstechnologie bietet Dein Institut an?

 

Das Fraunhofer IST verfügt über eine große Reinigungsanlage auf wässriger Basis mit insgesamt 17 Stationen. Die Anlage ermöglicht die Reinigung unterschiedlichster Bauteile und Proben unter praxisnahen industriellen Bedingungen.

 

2.    Mit welchen Kompetenzen (Deines Institutes) bietet ihr die Technologie an?

 

Unsere Kompetenz basiert auf einer langjährigen Erfahrung in der industriellen Bauteilreinigung sowie auf der engen, herstellerunabhängigen und ergebnisoffenen Zusammenarbeit unseres Teams. Dadurch können wir Reinigungsprozesse objektiv bewerten und optimal an die jeweiligen Anforderungen anpassen.

 

3.    Warum sollte man gerade zu Euch kommen, und nicht auf eine Lösung vom Markt zurückgreifen? Welchen Vorteil bietet es dem Kunden?

 

Als Gründungsmitglied des Fraunhofer-Geschäftsbereichs Reinigung betreiben wir unsere großtechnische Reinigungsanlagen seit über 25 Jahren. Aufgrund einer geringen personellen Fluktuation im Team konnten wir unser Wissen über viele Jahre hinweg kontinuierlich aufbauen und weitergeben. Dadurch wissen wir aus der Praxis sehr genau, wie auf unterschiedliche Anforderungen oder auch auf auftretende Probleme im Reinigungsprozess reagiert werden muss. Unsere Kunden profitieren insbesondere von dieser langjährigen Erfahrung, einer schnellen und fundierten Fehleranalyse sowie individuell angepassten Lösungen statt standardisierter Ansätze.

 

4.    Wo bzw. in welcher Branche und bei welchen Reinigungsaufgaben kommt die Technologie meist zum Einsatz?

 

Typischer Weise kommen unsere Kunden aus dem Maschinenbau, der Automobilindustrie bzw. von entsprechenden Zulieferern. Die Reinigungstechnologie wird hauptsächlich als wichtiger Prozessschritt in der Vorbehandlung von Proben und Bauteilen aller Art für die Beschichtung in Hochvakuumanlagen eingesetzt.

 

5.    Gab es bei der Entwicklung oder Anwendung der Technologie lustige oder interessante Begebenheiten?

 

In den letzten Jahren war die Reinigungsanlage regelmäßig eine Station beim jährlichen Zukunftstag an unserem Institut. Besonders beeindruckend für die Jugendlichen ist dabei immer wieder die Wirkung des Ultraschalls. Anhand einer Aluminiumfolie lässt sich anschaulich zeigen, welche Kräfte im Ultraschallbad entstehen, wenn die Folie innerhalb kurzer Zeit durchlöchert wird.

 

6.   Wie sieht die Zukunft dieser Technologie aus, wo geht es hin und was wird kommen?

 

Ein wichtiges Zukunftsthema für uns ist die Reduzierung des Energiebedarfs der Anlage. Dabei steht insbesondere die Absenkung der Badtemperaturen im Fokus. Die Herausforderung besteht darin, die Energieeffizienz zu steigern, ohne dadurch die Reinigungsqualität zu beeinträchtigen.

 

7.   Welche Dienstleistungen oder Services bietet ihr im Bereich Reinigungstechnologie konkret an? (Seminare, Service, Erarbeitung kundenspezifischer Prozesstechnologie, …)

 

In diesem Jahr bieten wir erstmals das Seminar »Industrielle Bauteilreinigung verstehen – Produktqualität sichern« an. Ziel des Seminars ist es, praxisnahes Wissen zu vermitteln, um Reinigungsprozesse gezielt zu optimieren und die Produktqualität nachhaltig sicherzustellen.

 

8.   Was war das interessanteste Projekt, an dem Ihr in diesem Bereich gearbeitet habt?

 

Unsere Reinigungsanlage gehört zwar nicht mehr zu den neuesten Systemen, wird jedoch kontinuierlich weiterentwickelt und modernisiert. Besonders spannend war in den vergangenen Jahren die schrittweise Digitalisierung der Anlage. Durch die kontinuierliche Erfassung von Prozessdaten konnten immer mehr Abläufe digital abgebildet und ausgewertet werden. Damit schaffen wir die Grundlage für einen digitalen Zwilling der Anlage und eine noch gezieltere Prozessoptimierung in der Zukunft.