Chemische und Biochemische Industrie

Industrielle Reinigungsprozesse in der chemischen und biochemischen Industrie zielen in der Regel darauf ab, komplette Produktionsanlagen oder Teile mit einer exakt auf die Verunreinigung angepassten Reinigungslösung zu reinigen. Gesamtanlagen oder Wärmetauscher, Tanks, Kessel oder Rohrleitungssysteme können dadurch wieder einsatzfähig gemacht werden, meist ohne ganze Anlagen oder Anlagenteile demontieren zu müssen. Dies umfasst unterschiedlichste Aufgaben wie z. B. die Oberflächenbehandlung, Belagsentfernungen, Spezialanwendungen, Vorbehandlung von Anlagen vor Inbetriebnahme und Labortests zur ständigen Reinigungsüberwachung.

Die biochemische Industrie als solche trägt im Bereich der Reinigung z. B. zur Entwicklung neuer, effizienter und umweltverträglicher Reinigungsmittel bei. Biochemische Reinigungsmittel basieren auf der optimalen Kombination von Enzymen, Zellen und Mikroorganismen, die eine intensive und langanhaltende Tiefenreinigung gewährleisten können. So können ressourcenschonende nachhaltige Reinigungsmittel z. B. zur schonenden Oberflächenbehandlung und verträglichen Nutzung für Umwelt und Mensch entwickelt werden.

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Anwendungsschwerpunkte

  • Mikroorganismen bilden unter natürlichen Bedingungen eine Vielzahl oberflächenaktiver Substanzen, sogenannte Biotenside, die ein breites Spektrum chemischer Strukturen abdecken. Der Fraunhofer-Geschäftsbereich Reinigung beschäftigt sich mit der Optimierung der biotechnologischen Synthese von Glykolipiden, unter Verwendung verschiedener Pilze und unterschiedlicher Substrate. Ziele sind hierbei die Charakterisierung und Optimierung der mikrobiellen Biotenside für den Einsatz in Reinigungsmitteln, in Kosmetika oder für Spezialanwendungen in der Industrie sowie eine effiziente fermentative Produktion dieser Biotenside mit möglichst hohen Raum-Zeit-Ausbeuten.

  • Ablagerungen und Verschmutzungen durch Kristallisation, Korrosion oder chemische und biologische Reaktionen - bekannt als Fouling - verursachen in Deutschland jährlich wirtschaftliche Schäden im Milliardenbereich. Beschichtungen aus der Klasse der diamantähnlichen Kohlenstoffschichten (DLC) können so modifiziert werden, dass die Foulingneigung an den beschichteten Oberflächen deutlich abnimmt oder sogar ganz vermieden werden kann. Ebenfalls sind digitale Simulationsmethoden optimal geeignet, um Entwicklungs- und Auslegungsprozesse von Reinigungssystemen in allen Industrie zweigen zu beschleunigen sowie zeit- und kostenaufwendige Erprobungen an Prototypen zu verringern.

  • Die Anwendung von nasschemischen Reinigungsmitteln erfordert einen hohen Einsatz an Energie und Ressourcen. Der Fraunhofer-Geschäftsbereich Reinigung entwickelt neue Reinigungstechnologien in Kombination mit Inline-Sensorik, die die bedarfsgerechte Steuerung der Reinigungsprozesse ermöglicht. Dadurch ergeben sich ressourceneffiziente und zeitsparende Reinigungsprozesse, die Produktionszeit wird erhöht und das System kann gleichzeitig zur Dokumentation des Reinigungsergebnisses genutzt werden. 

  • Mit Hilfe des kalten Sanitisierungsverfahrens auf Basis von Diamantelektroden können durch die direkte elektrochemische Produktion von Ozon im Wasser die Vermehrung von Mikroorganismen im Reinstwassersystem verhindert und vorhandene Biofilme nachhaltig abgebaut werden.

  • Die periodische Rückspülung mittels elektrochemisch erzeugter Oxidationsmittel wie Ozon ermöglicht es, einen kontinuierlichen UF-Betrieb auch bei natürlichem Oberflächenwasser oder Brunnenwasser aufrechtzuerhalten und einen durch Biofouling verursachte Verblockung zu vermeiden, ohne dass externe Cleaning-in-Place-Chemikalien (CIP) eingesetzt werden müssen.

Beispiel aus der Praxis

Biotenside – Herstellung und Optimierung

  • Steigerung der Produktivität und Ausbeute von Cellobioselipiden (CL) und Mannosylerythritollipiden (MEL)
  • Fermentation und Bereitstellung von Mustern der fermentativ hergestellten Biotenside
  • Chemisch-enzymatische Modifizierung
  • Scale-up der Fermentation bis max. 10m3 am Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP, Leuna

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